Read e-book online Definitionsmacht und Grenzen angewandter Sozialwissenschaft: PDF

By Christoph Lau

1m Mittelpunkt der folgenden Untersuchung steht die Frage nach den Bedingungen, Moglichkeiten und Auswirkungen der Verwissen schaftlichung politischer Entscheidungen: In welchem AusmaB, unter welchen Voraussetzungen und mit welchem Effekt kann so zialwissenschaftliches Wissen zu einer Rationalisierung ge sellschaftlich-politischer Praxis beitragen? Mit welchen Konse quenzen ist zu rechnen, wenn die nicht-wissenschaftlichen Wissens grundlagen politisch-administrativer Praktiker durch sozial wisenschaftliches Wissen beeinfluBt oder gar ersetzt werden? Inwiefern ist der Rationalitatsanspruch sozialwissenscha- licher services berechtigt, oder wieweit handelt es sich dabei lediglich urn die Erzeugung eines auBeren Scheins technischer Entscheidungsrationalitat? Welche Schwierigkeiten, aber auch welche strategischen Moglichkeiten ergeben sich bei der "Uber setzung" sozialwissenschaftlicher Aussagen in praktische Empfeh lungen? Und schlieBlich: Enthalt das Wissensangebot der Soziologie Aussagen, die sich, ahnlich wie die der Ingenieurwissenschaften, technisch umsetzen lassen? Die Beantwortung dieser Fragen ist nicht nur innerhalb der Sozialwissenschaften, sondern auch in der Offentlichkeit um stritten. Sie enthalt dann besondere Bedeutung, wenn guy sich das tatsachliche AusmaB der Verwissenschaftlichung vor Augen flihrt. Noch 1968 konnte Jlirgen Habermas in seinem Aufsatz "Verwissenschaftlichte Politik und offentliche Meinung" von einer bloBen Tendenz zur Verwissenschaftlichung der Politik 1 sprechen ). Inzwischen ist diese Tendenz in einem AusmaB Realitat geworden, das haufig noch nicht klar erkannt wird. Die Sozialwissenschaften haben sich in vie len Bereichen zu einem institutionell abgesicherten Anbieter von Problemdeu tungen und Handlungsbegrlindungen entwickelt. 1) Habermas, J., Technik und Wissenschaft als 'Ideologie', Frankfurt 1968, S.

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Vgl. "Mit uns zieht die neue Zeit - der Mythos der Jugend," Hrsg. Thomas Koebner, Ralf-Peter Ja\tz, Frank Trommler, Frankfurt 1985 2 Vgl. I1se Brusis, Gewerkschaftsjugend muss sich den veranderten Anforderungen der Ju gend stellen, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 2/1986, Themenschwerpunkt Jugend und Gewerkschaft.

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Beispiele flir derartige verwissenschaftlichte offentliche Diskurse sind die groBen bildungspolitischen Debatten der 60er und 70er Jahre, wie etwa die von Picht eingeleitete Auseinandersetzung urn die "Bildungskatastrophe n2 ), oder die Diskussion urn die Abschaffung des Numerus Clausus angesichts der geburtenstarken Schliler- und Studentenjahrgange Mitte der 70er Jahre 3 ). Gerade anhand des letzten Beispiels laBt sich gut zeigen, wie sich, ausgehend von einer zunachst rein technischen Modellprognose des Instituts flir Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, unter dem EinfluB quasi abrufbaren wissenschaftlichen Sachverstandes die kognitive Problemstruktur zunehmend differenzierte, eine Vielzahl von Folgen und Systeminterdependenzen abgewogen wurde und insgesamt das Wertberlicksichtigungspotential des 1) Vgl.

Dies betrifft nicht nur die Politisierung der verwaltung 1 ), die sich auf den unteren Ebenen zunehmend an den Argumentations- und Themenstrukturen der offentlichen Diskussion ausrichtet und ausrichten muB, sondern auch die diskursiven Modi der Entscheidungsfindung innerhalb der Organisation selbst. Abstimmungszwange, Koordinationsnotwendigkeiten zwischen Ressorts und Abteilungen nehmen angesichts des Komplexitatszuwachses von Politik zu und erzwingen Abweichungen vom zentralistisch geleiteten Burokratietypus.

Dazu unten Kap. 2. , Die deutsche Bildungskatastrophe, Olten 1964. ). Schlilerberg und Ausbildung. Analysen und MaBnahmen. Stuttgart 1976. Diese bildungspolitische Debatte wird im folgenden Kapitel ausflihrlicher dargestellt. - 40 - argumentativen Begrundungsprozesses durch den offentlichen Charakter der Auseinandersetzung stieg. Obwohl die Reprasentanten der betroffenen Interessengruppen und ihre wissenschaftlichen "Vertreter" ihre Argumentation an strategischen Gesichtspunkten auszurichten versuchten, war der Versachlichungseffekt des sozialwissenschaftlichen (und okonomischen) Problemwissens groB genug, urn eine einschrankende Wirkung auf die strategisch-manipulativen Argumentationsmoglichkeiten einzelner Akteure auszuuben und schlieBlich einen Konsens uber zu wahlende Problemlosungsoptionen herbeizufuhren.

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